Eines der Argumente gegen das Tragen des Nikabs ist die dadurch angeblich entstehende Unterversorgung mit Vitamin D und die damit einhergehende Gefährdung der Gesundheit sowohl der Frau als auch ihrer ungeborenen und gestillten Kinder.

Grundsätzlich ist Deutschland, was Vitamin D betrifft, ein Mangelgebiet. Viele Menschen in Deutschland haben einen zu geringen Spiegel des lebenswichtigen Vitamins (das zugleich in zu hoher Konzentration die Gesundheit gefährdet). Es gibt dafür viele Ursachen, nicht nur bedeckende Kleidung.

Vitamin D3 wird unter dem Einfluss der UVB-Strahlung in den oberen Schichten der Haut aus Provitamin D gebildet und wandert danach in tiefere Hautschichten. Wer direkt nach dem Sonnenbad duscht, riskiert, einen großen Teil des Vitamins auszuspülen, ehe es von den oberen in die tieferen Hautschichten gelangen kann. 

In den Sommermonaten reichen bei Menschen mit heller Haut dreimal wöchentlich ca. 12 Minuten Sonnenstrahlen auf Gesicht, Armen und Händen, um die Versorgung mit Vitamin D sicherzustellen. Je dunkler die Haut, desto länger. 

Bei Menschen mit dunkler Haut, bestimmten Erkrankungen und generell in den Wintermonaten reicht der Sonnenschein in unseren Breitengraden oft nicht aus, damit der Körper selbst ausreichend Vitamin D bilden kann. Dann sollte Vitamin D bevorzugt über die Nahrung (z. B. geräucherter Fisch, getrocknete Pilze, Anchovis) zugeführt werden, gegebenenfalls über Nahrungsergänzungsmittel, die Vitamin D3 (Cholecalciferol) enthalten. 

Nikab-Trägerinnen, die im Sommer dreimal täglich für zwölf Minuten ein Sonnenbad auf Gesicht, Armen und Händen nehmen, bilden ausreichend Vitamin D, auch wenn sie ansonsten in der Öffentlichkeit einen Nikab tragen. Wichtig ist: Glas blockiert einen großen Teil der UVB-Strahlung, die für die Bildung von Vitamin D erforderlich ist. Ein Sonnenbad hinter Glas bringt nur Wärme (und UVA-Strahlung) auf die Haut, aber kaum UVB-Strahlung und damit kein Vitamin D in den Körper. 

Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin. Das bedeutet, dass überschüssige Mengen nicht wie bei wasserlöslichen Vitaminen mit dem Urin ausgeschieden werden, sondern sich im Körper anreichern. Eine zu hohe Menge an Vitamin D im Körper ist schädlich. Wenn wir also Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel zu uns nehmen, ist eine Überdosierung unbedingt zu vermeiden. Empfohlen werden täglich maximal 2.000 iE Vitamin D3 (Cholecalciferol), aber für die meisten Menschen reichen 1.000 iE. Ich empfehle eine ärztliche Kontrolle des Vitamin-D-Spiegels.

Wer Calcium einnimmt (was gerade für schwangere, stillende und Frauen in der Menopause wichtig ist), sollte wissen, dass der Körper das Calcium nur verwerten kann, wenn ihm ausreichend Vitamin D zur Verfügung steht. 

Wichtig ist in jedem Fall, dass Vitamin D3 (Cholecalciferol) genommen wird, nicht das deutlich weniger wirksame Vitamin D2 (Ergocalciferol). 

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