Woher kommt der Name?

Obwohl der Name Burkini eigentlich zu einer bestimmten australischen Marke (Ahiida) gehört und als Burqini und Burkini rechtlich geschützt ist, stellt „Burkini“ inzwischen eine Art Gattungsbegriff dar. So werden auch Bade- und Schwimmkleider bezeichnet, die streng genommen keine Burkinis sind.

Burkini (eigentlich Burqini) ist ein Kofferwort. Es setzt sich zusammen aus dem arabischen Wort burqu' (nicht Burka) und dem Begriff Bikini.

Arab. burqu' bedeutet lediglich „Bedeckung, Verhüllung, Verschleierung“ und Bikini steht für Zweiteiler; denn in der Regel ist der Burkini zweiteilig, manchmal allerdings auch dreiteilig: Eine lange und mehr oder weniger enge Hose, ein meist weites längeres Oberteil, das mittels Bändern oder Knöpfen mit der Hose verbunden werden kann, und am Oberteil befestigt ein Hidschab als Kopfbedeckung, der manchmal abnehmbar ist.

Religiöse Bedeckung 

Der Burkini ist für viele Muslimas beim Schwimmen in gemischten Bädern aus religiösen Gründen – den sogenannten Hijab-Regeln – verpflichtend, weil sie ihren Körper in Gegenwart fremder Männer mit Ausnahme von Gesicht1, Händen und Füßen bedecken sollen. 

Auch wenn Frauen unter sich sind, soll der Körper von der Hüfte bis zu den Knien bedeckt sein2

Aufgrund der Tatsache, dass der Burkini von den Frauen aus religiösen Gründen getragen wird, ist das Tragen des Burkinis in Deutschland in jedem Fall durch die Religionsfreiheit nach Artikel 4 Grundgesetz und nach dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz geschützt. 

Badeanzugstoff

Ein echter Burkini besteht immer aus Badeanzugstoff, dessen wichtigste Eigenschaft es ist, dass er sich nicht mit Wasser vollsaugt und leicht zu reinigen ist.

Das Gewicht eines Burkinis beläuft sich überwiegend auf etwa 250 bis 300 g.

Vergleichbare Badekleidung

Dem Burkini von der Stoffmenge her durchaus vergleichbar sind Swimsuits aus Badeanzugstoff (oft mit UV-Schutz) oder Neopren, die mit einer Badekappe getragen werden.

Hygiene

Da Burkinis aus gewöhnlichem Badeanzugstoff bestehen, sind sie ebenso hygienisch wie jeder andere Badeanzug auch – tatsächlich sogar hygienischer, da sie den Eintrag von Haaren und Hautschuppen, aber auch Sonnenschutzmittel und andere Cremes oder Lotionen ins Wasser deutlich reduzieren.

Waschmittel

Mindestens ein Schwimmbad3 verbietet Burkinis, weil diese im Vergleich zu gewöhnlichen Badeanzügen aufgrund ihrer größeren Stoffmenge angeblich zu viel Phosphat ins Wasser abgeben. 

Tatsächlich haben Waschmittel und Wasserenthärter früher Phosphat enthalten. Seit Ende Juni 2013 ist der Zusatz von Phosphat in Haushaltswaschmitteln allerdings EU-weit untersagt. Lediglich gewerbliche Wäschereien dürfen noch Phosphat in geringen Mengen einsetzen.

Allerdings empfiehlt es sich ohnehin, Badeanzüge und damit auch Burkinis nur mit klarem Wasser zu spülen und nicht mit Waschmitteln zu reinigen, um den empfindlichen Stoff zu schonen. 

Farben und Formen

Burkinis gibt es in vielen verschiedenen Farben und Formen, von hauteng über einen etwas weiteren Schnitt bis zu einem sehr weiten Schnitt, von unifarben bis bunt, von Schwarz bis farbenfroh.

Weiter geschnitten als Badeanzüge

Viele Burkinis sind weiter geschnitten als die meisten Badeanzüge, was manchmal als Grund für ein Verbot genommen wird: die Baderegeln schreiben dann „enganliegende Badekleidung“ vor, obwohl es dafür keinen Grund gibt.

Nicht jeder Frau fühlt sich wohl, wenn sie in hautenger Badekleidung erscheinen muss4; ein Zwang dazu ist frauenfeindlich. 

UV-Schutz

Burkinis bieten einen UV-Schutz, der gerade im Freien sehr wichtig ist. 

Hautärzte sehen Burkiniverbote in Freibädern darum aus medizinischen Gründen sehr kritisch.

Verhalten im und unter Wasser

Ich bin mit Burkinis geschwommen und getaucht (Freitauchen bzw. Mermaiding) und kann also aus eigener Erfahrung beurteilen: Burkinis behindern die Trägerin weder beim Schwimmen noch beim Tauchen.

Ich sehe auch keine Probleme, die auftreten könnten, wenn eine Burkini-Trägerin aufgrund eines Notfalls aus dem Wasser gerettet werden muss.

Was passiert, wenn sich der Burkini mit Wasser vollsaugt?

Die weitverbreitete Vorstellung, die Burkinis würden sich mit Wasser vollsaugen und durch das Gewicht die Trägerin nach unten ziehen, ist aus zwei Gründen falsch.

Erstens saugen sich Burkinis aufgrund des Badeanzugstoffs im Gegensatz zu Kleidung aus den meisten Naturfasern wie Baumwolle gar nicht mit Wasser voll. Der Stoff nimmt nur wenig Wasser auf.

Zweitens ist das Wasser, das vom Stoff aufgenommen wird (egal von welcher Wassermenge und von welchem Stoff wir dabei reden), ohnehin genauso schwer wie das Wasser um die Person herum – es verhält sich also auftriebsneutral und kann die Trägerin unmöglich unter Wasser ziehen. Nur, weil das Wasser vom Stoff aufgesogen worden ist, ist es ja nicht plötzlich schwerer geworden - ebenso wenig der Stoff selbst.

Allerdings, das sei der Vollständigkeit halber geschrieben, ist um so mehr Kraft zur Fortbewegung im Wasser erforderlich, je mehr Wasser vom Stoff aufgenommen wird, da mehr Masse gegen den Widerstand des Wassers bewegt werden muss. Von daher ist ein Stoff, der möglichst wenig Wasser aufnimmt, auf jeden Fall sinnvoll (und darum sollte man auch, bevor man eine Person aus dem Wasser rettet, möglichst viel Kleidung sowie die Schuhe ablegen).

Teilhabe

Für einige muslimische Frauen bietet der Burkini die Möglichkeit, Schwimmsport und ihre religiösen Überzeugungen zu verbinden, und ermöglicht ihnen so Teilhabe.

Ein Verbot würde für sie einem Verbot des Schwimmsports gleichkommen.

Ursprung des Burkini

Erfunden wurde der echte Burkini 2003 in Australien von einer dort lebenden Muslima, Aheda Zanetti.

Für die Namenssuche hat sie in ein arabisches Wörterbuch geschaut und ist auf das Wort burqu' gestoßen, das wie bereits erklärt „Bedeckung, Verhüllung, Verschleierung“ bedeutet. Mit der afghanischen Burka (die eigentlich Tschaderi genannt wird; Burka ist ein Oberbegriff für jegliche Verschleierung) hat der Burkini tatsächlich nichts zu tun.

Es gibt allerdings auch bedeckende Schwimm- und Badeanzüge, die in anderen Ländern wie der Türkei oder Ägypten entstanden sind und sich vom australischen Burkini mehr oder weniger stark unterscheiden.

Manche dieser Schwimm- und Badeanzüge sind sehr weit geschnitten, wie Abayas oder Dschilbabs. Sie sind nicht in jedem Fall zum Schwimmen zu empfehlen.

Manche muslimische Frauen kombinieren einen Burkini mit einem Nikab, also einem Gesichtsschleier.

Viele Burkinis haben den Nachteil, dass sie, sobald die Frau aus dem Wasser kommt, wie eine zweite Haut am Körper kleben und die Konturen des Körpers mehr als deutlich enthüllen. Das ist ein Grund, aus dem nicht jede Muslima bereit ist, beim Baden oder Schwimmen einen Burkini zu tragen.

Ohnehin gibt es viele Muslimas, die nicht gerne gemeinsam mit Männern baden oder schwimmen – auch nicht mit Burkini. Sie ziehen reines Frauenschwimmen vor.

Hier einige Beispiele für Burkinis bzw. bedeckende Schwimm- und Badeanzüge:

Nicht nur für Muslimas

Geschätzt 30-40 % der Burkinis werden an nichtmuslimische Frauen verkauft, die ihn aus verschiedenen Gründen schätzen: Sonnenschutz im Freibad oder am Meer, Narben bedecken, der Wunsch, nicht zu viel Haut zu zeigen oder ein anderer Grund. Auch manche jüdische und christliche Frauen, die sich bedeckend kleiden, greifen zum Baden zum Burkini.

Ich habe mehrfach mit dem Burkini geschwommen und getaucht – ich habe ihn nie als hinderlich empfunden.

Im Wasser verhält er sich auftriebsneutral, er zieht also die Trägerin im Wasser nicht nach unten (oder wie ein Neoprenanzug nach oben).

Beim Tauchen hat er mich minimal verlangsamt und die Bewegungen minimal erschwert – eine Bahn von 25 Metern oder auch eine etwas längere Strecke durchzutauchen ist aber auch mit Burkini kein Problem gewesen, ich brauchte nur gefühlt einen Augenblick länger.

Auch das Herauskommen aus dem Wasser ist kein Problem, da sich der Burkini nicht mit Wasser vollsaugt.

Unangenehm empfand ich lediglich, wie er sich nach dem Verlassen des Wassers am Körper festsaugt.

Zwang zum Burkini ist unwahrscheinlich

Ein häufiges Vorurteil ist, dass Frauen den Burkini nicht freiwillig tragen, sondern vom Ehemann oder Vater dazu gezwungen werden. Das ist allerdings sehr unwahrscheinlich: Ein Mann, der Frau oder Tochter auf diese Weise behandelt, würde ihr nie erlauben, in ein Schwimmbad mit gemischtem Publikum zu gehen.

Das heißt, Frauen, die den Burkini tragen, tun dies freiwillig und werden nicht dazu genötigt.

Selbstbestimmung

Den Burkini zu tragen, ist Ausdruck körperlicher Selbstbestimmung. Die Frauen nehmen ihr Recht in Anspruch, selbst zu entscheiden, wie viel von ihrem Körper sie zeigen. Das gehört zum Menschenrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Eine Frau zu zwingen, sich in einen viel Haut zeigenden, hautengen Badeanzug zu zwängen, ist frauenfeindlich.


1  Die Bedeckung des Gesichts ist im sunnitischen Islam je nach Rechtsschule und Auslegung empfehlenswert (Sunna), verdienstvoll (Mustahabb) oder, zumindest in bestimmten Situationen, Pflicht (Fard).

2  Für Männer gilt grundsätzlich die Regel, dass der Körper von der Hüfte bis zu den Knien bedeckt sein soll.

3  Allerdings in Südtirol, nicht in Deutschland.

4  Das gilt nicht nur für muslimische Frauen.


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Dateidatum 18.08.2026
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