Viele Menschen in diesem Land betrachten den Schleier – zumindest in der Form, wie ihn muslimische Frauen tragen – als etwas Negatives. Frauen, die sich verschleiern, sind angeblich entweder Opfer oder Extremistinnen.
Man begegnet uns mit Vorurteilen, mit Ablehnung, mit Ausgrenzung, man möchte, dass wir unsichtbar werden, indem wir den Schleier ablegen. Wir sollen uns „integrieren“, also tatsächlich assimilieren, weil der Schleier angeblich nicht zu Deutschland passe, nicht mit der „Leitkultur“ vereinbar sei.
Ob ich denn nicht stolz darauf sei, eine Deutsche zu sein? Wo bleibt mein Nationalstolz?
Meine Reaktion darauf ist فخور (fakhur), ein selbstbewusster, selbstachtender und somit stolzer Umgang mit meinem Schleier (فخور بالنيكاب, fakhur bialniykab).
Ich werde mich nicht vor anderen verstecken.
Ich trete selbstbewusst für meine, für unsere Rechte ein. Für unser Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, für unser Recht, selbst zu bestimmen, wie wir uns kleiden, für unser Recht, unsere Religion frei und ungestört auszuüben, für unser Recht, Kleidung zu wählen, die unserer Identität entspricht und sie nicht unsichtbar macht und unterdrückt.
Wir lassen uns nicht entmündigen, bevormunden oder uns die Deutungshoheit über unseren Schleier und die Art, wie wir als gläubige Frauen selbstbestimmt leben, nehmen.
Wir verstecken uns nicht, wir machen uns nicht klein, wir nehmen selbstbewusst unseren Raum im Stadtbild ein. Wir sind weder Opfer noch Extremistinnen, wir sind gläubige Frauen, die mit ihrem Schleier ihre Liebe zu Gott ausdrücken, ihre Dankbarkeit für Gottes Barmherzigkeit. Es ist Teil unserer Identität als gläubige Frauen.
Wir schwimmen nicht mit dem Strom; denn nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Wir sind lebendig, wir gehen aufrecht und selbstbewusst als gläubige Frauen durch das Leben und durch diese Welt. Wir sind, was wir sind. Dazu stehen wir.
Es geht nicht um Hochmut, sondern darum, dass wir uns nicht zu rechtfertigen haben für unsere Wahl, den Schleier zu tragen. Es geht um unsere Emanzipation, um Empowerment. Um unsere Selbstbestimmung.
Unser Schleier schafft eine Verbindung zwischen uns und zugleich zu den vielen Frauen, die vor uns waren, Frauen des Glaubens und der Hingabe für Gott, in deren Spuren wir gehen. Wir bestätigen einander, dass wir den richtigen Weg gehen, wir akzeptieren einander. Mein Schleier zeigt anderen Frauen: „Bei mir seid ihr sicher“ und „wir bilden eine starke Gemeinschaft gegen alle, die uns herabwürdigen“.
Ich trage meinen Schleier mit Stolz, fakhur. Ich trage ihn wie eine Fahne, ein Symbol für meine Liebe zu Gott.