Frauen, die sich halbnackt in unterwürfiger Pose als leicht verfügbares Girlie dem männlichen Blick präsentieren und sich sexpositiv geben, gelten spätestens seit den 2000er Jahren als selbstbestimmt, als emanzipiert. 

Frauen, die sich vor dem männlichen Blick und der Sexualisierung des weiblichen Körpers verhüllen, gelten hingegen als fremdbestimmt, als unfrei, unterdrückt. 

Mein Schleier verhindert, dass ich als sexpositives Girlie gesehen werde, was heute offenbar Voraussetzung ist, um als selbstbestimmte Frau zu gelten.

Ja, ich bin wohl eher „sexnegativ“ und „prüde“. Unter dem Schleier ein normaler Frauenkörper, kein auf höchstens 21 getrimmter Frauenkörper mit vergrößerten Brüsten, Extensions im Haar und grellem Make-up, der mit kurzem Rpck, hohen Absätzen und bauchfreiem Top präsentiert wird.

Und? Ich fühle mich wohl damit. Ich bin frei. Und alles ist selbstbestimmt. 

Die reichen Männer, die das Ideal des sexpositiven (sie nennen das mitunter „fotzig“) Girlies in den so gar nicht sozialen Medien pushen, wollen Frauen nicht zur Selbstbestimmung verhelfen. Sie wollen Geld verdienen, viel Geld. Mit schlanken Girls, die letztlich viele OPs brauchen, um weiterhin so „toll“, so jung, so „sexpositiv“ auszusehen.

Ohne mich.

Es geht dabei nicht um weibliche Selbstbestimmung, es geht um die kapitalistische Ausbeutung eines weiblichen „Schönheitsideals“, das die wenigsten Mädchen und Frauen tatsächlich erreichen. Diese Frauen sind nicht frei, nicht selbstbestimmt, nicht emanzipiert. Jemand nannte das schon vor Jahren die „Burka des Westens“, sprach besonders von den Schönheits-OPs und Brustvergrößerungen, die vermeintlich selbstbestimmte Frauen im Westen brauchen, um mit den Stars mithalten zu können. Sie sagen oft, sie täten das für sich selbst, aber ist das wirklich so? Oder wird es ihnen eingeredet?

Es geht um Geld, um viel Geld. Es geht um teure Kosmetika, um teure OPs. Wenige Männer verdienen dann viel Geld damit. Es ist Patriarchat, es ist frauenfeindlich.

Ich sage nicht, dass alle Frauen wie ich oder meine muslimischen Schwestern einen Schleier tragen müssen. Ich plädiere für normale Frauenkörper, für Mädchen und Frauen, die ihren Wert nicht daran bemessen, wie sie aussehen und als wie sexpositiv sie wahrgenommen werden. Die mit ihrem normalen Aussehen zufrieden sind, auch wenn es scheinbar nicht perfekt ist. 

Wir Frauen müssen nicht das perfekte Girlie sein, mit makelloosem Teint, keinem Gramm zu viel, perfekt rasierten Beinen, dem Look eines jungen Mädchens, auch wenn wir längst 30+ sind. Wir sind gut so, wie wir sind. Auch ohne Make-up, Brustvergrößerung, schlanker Figur. 

An diesen perfekten Girlies ist nichts selbstbestimmt. Ist nichts frei. 

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