Ich war eben einkaufen, bei rund 31 Grad im Schatten, mit Dschilbab, Nikab und Handschuhen, alles in Schwarz. Zwei Leute sehen mich und fragen sich, ob mir unter dem Schleier nicht zu heiß sei.

Nein, mir ist nicht zu heiß.

Ich trage einen weit geschnittenen, leichten Dschilbab, unter dem die Luft zirkuliert, was die Verdunstung auf der Hautoberfläche fördert – und das hat eine kühlende Wirkung. Das ist allemal besser als eng anliegende Kleidung. Nach meiner Erfahrung wirkt das sogar besser als unbedeckte Haut, jedenfalls direkt in der Sonne. Der schwarze Stoff nimmt die Wärmeenergie der Sonne auf, und die Luftschicht zwischen Stoff und Haut hält sie von meiner Haut fern. 

Wobei ich den Schleier auch nicht ablegen würde, wenn mir darunter zu heiß wäre. Ich tue das für Gott, es ist mein Gottesdienst. Da kann ich es auch akzeptieren, wenn es nicht immer der leichte Weg ist, den ich gehe, solange es der Weg ist, den Gott mich führt. 

Jetzt sitze ich wieder in unserer Wohnung – ohne Schleier. Und jetzt wird mir tatsächlich warm. Und das wird im Laufe des Tages noch schlimmer werden. Der Nachteil einer Dachgeschosswohnung, kombiniert mit der Klimakatastrophe. 

Das ist die Hitze, die uns wirklich Sorgen bereiten sollte. An ihr sterben in diesen Wochen Tausende Menschen – und die Bundesregierung schweigt beharrlich. Die Union diskutiert lieber über ein „Burkaverbot“ als darüber, wie man den Menschen im Land bei der Hitze helfen kann. Und sie erfindet Ausreden, warum kein Geld für Klimaanlagen in Krankenhäusern, Altenheimen, Schulen usw. da ist, warum kein Geld da ist, um armutsbetroffenen oder älteren Menschen in schlecht isolierten Dachgeschosswohnungen die Hitze erträglich zu machen (wir können uns mit einer Klimaanlage helfen; viele haben diese Möglichkeit nicht). Und so sterben die Menschen.

Prioritäten. 

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