In jüngster Zeit gibt es vermehrt heftige Reaktionen auf mein Erscheinungsbild, sprich Dschilbab und Niqab. Anstarren und Beleidigen sind das Häufigste, aber mehrere Male sind Autofahrer (es sind immer weiße Männer) trotz meiner grünen Fußgängerampel direkt vor mir abgebogen, sodass ich auf der Straße stehen bleiben musste. Dabei haben sie mir bewusst ins Gesicht bzw. auf den Nikab geschaut, mich also nicht „übersehen“. Rassismus meets Autogewalt …
Eine der übelsten Beleidigungen bekam ich in einem Ärztezentrum ab, als ich mit dem Aufzug hochfuhr. Eine ältere Frau, wahrscheinlich osteuropäischer Herkunft, hat mich als „Monster“, „Terroristin“ usw. beschimpft. Als ich dann meine Etage erreicht habe, drehe ich mich zu ihr um und sage nur: „Möge Gott Ihnen vergeben.“ Daraufhin ist die Frau komplett ausgerastet und hat mich noch heftiger beschimpft. Sie sei schließlich Christin und käme in den Himmel, ich aber käme in die Hölle, denn Gott würde mir niemals vergeben …
In den vergangenen Tagen haben die Beleidigungen stark zugenommen. Ich mutmaße, dass es mit der unsicheren politischen und wirtschaftlichen Lage zu tun hat, in der wir uns derzeit befinden. Ich werde zu einer Art Sündenblock für die Menschen, die in ihrer Angst vor der Zukunft gefangen sind.
Für mich gilt dabei: Stets freundlich bleiben – und jetzt erst recht.