Verbote von Kopftuch bzw. Hidschab oder auch Nikab werden oft mit dem Verweis auf „Neutralität“ begründet.
Aber was ist diese Neutralität eigentlich? Gibt es Neutralität überhaupt?
In einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft, wie es die deutsche Gesellschaft im 21. Jahrhundert zweifelsfrei ist, sollte eigentlich das Prinzip der offenen Gesellschaft nach Karl Popper gelten: Neutralität ist, wenn alle legitimen Teile der Gesellschaft sichtbar werden und keines dieser Teile unsichtbar gemacht – also weggeschlossen – wird. In der offenen Gesellschaft darf es keine Diskriminierung geben, keine Intoleranz, und kein Teil der Gesellschaft darf über mehr Privilegien und Macht verfügen als andere.
Davon sind wir weit entfernt.
Was hierzulande oft als „Neutralität“ bezeichnet wird, ist das Zementieren des vermeintlich „Normalen“. Und „normal“ ist, was die privilegierten Menschen dafür halten.
Nur wer privilegiert ist, kann sich Neutralität leisten. Nur wer im Besitz der Macht ist, kann sich Neutralität leisten. Und er tut das, um so den Status quo zu zementieren. Eine Brandmauer zu errichten gegen die Marginalisierten.
Es geht um Macht, um Privilegien – nicht um echte Neutralität. Es geht um „wir“ gegen „die anderen“. Um Abgrenzung, um Ausschluss.
Kopftuchverbote im Namen der „weltanschaulichen Neutralität“, egal ob in Schulen oder Gerichtssälen oder wo sonst, sind nichts anderes als die zementierte Macht der Privilegierten, eine Brandmauer gegen die Marginalisierten.