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Als ich begann, den Schleier zu tragen, hatte ich dafür vor allem einen Grund: Gelebte Solidarität mit muslimischen Frauen, die wegen ihres Schleiers Diskriminierung und Anfeindungen erleben.
Inzwischen sind einige Jahre vergangen, und obwohl das immer noch ein wichtiger Grund für mich ist, so hat sich doch etwas verändert. Mittlerweile fühle ich mich mit meinem Schleier „gut behütet“.
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In letzter Zeit nehme ich eine deutliche Zunahme an Anfeindungen wahr. Bisher ist es „nur“ durch Mimik, Gestik oder verbale Äußerungen, aber ich fürchte, es wird sich auch bald in tätlicher Gewalt äußern.
Ich schiebe es darauf, dass die Menschen ängstlicher werden, was die Zukunft betrifft. Dank der schlechtesten Bundesregierung, die uns bisher regiert hat, sind die Menschen aggressiver und lauter. Rassismus nimmt zu.
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Als weiße, christliche Frau bin ich stets nur indirektes Opfer von Rassismus, weil ich Rassismus nicht aufgrund meiner Herkunft, meines Namens oder Hautfarbe erfahre, sondern aufgrund meiner Kleidung, wegen derer als Muslima und als „nicht von hier“ gesehen werde. Ich werde falsch zugeordnet (wobei viele Muslimas tatsächlich Deutsche, sprich: „wirklich von hier“, sind).
Ich bin sehr privilegiert, das ist mir klar. Würde ich den Schleier ablegen, wäre ich nur noch eine blonde Deutsche mit deutschem Namen (nur um dann aus anderem Grund angegriffen zu werden: weil nicht „richtig weiblich“ nach den gängigen Geschlechterklischees).
Ich maße mir nicht an zu behaupten, dass ich persönlich Rassismus in demselben Maße erlebe wie Frauen, die aufgrund ihrer Herkunft, ihres Namens, ihrer Hautfarbe oder was sonst rassifiziert und darum diskriminiert werden.
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Viele Menschen in diesem Land betrachten den Schleier – zumindest in der Form, wie ihn muslimische Frauen tragen – als etwas Negatives. Frauen, die sich verschleiern, sind angeblich entweder Opfer oder Extremistinnen.
Man begegnet uns mit Vorurteilen, mit Ablehnung, mit Ausgrenzung, man möchte, dass wir unsichtbar werden, indem wir den Schleier ablegen. Wir sollen uns „integrieren“, also tatsächlich assimilieren, weil der Schleier angeblich nicht zu Deutschland passe, nicht mit der „Leitkultur“ vereinbar sei.
Ob ich denn nicht stolz darauf sei, eine Deutsche zu sein? Wo bleibt mein Nationalstolz?
Meine Reaktion darauf ist فخور (fakhur), ein selbstbewusster, selbstachtender und somit stolzer Umgang mit meinem Schleier (فخور بالنيكاب, fakhur bialniykab).
Denn der Schleier ist die Fahne, die ich mit fakhur trage, mit Stolz.
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Eine der häufigsten Fragen, die Leute stellen, wenn sie eine verschleierte Frau wie mich sehen, ist „Mann oder Frau?“. Keine sehr kreative Frage, wahrscheinlich die am häufigsten gestellte Frage, manchmal noch durch eine dritte Option ergänzt, „oder Terrorist?“, auf die ich hier aber nicht weiter eingehen will.
Ich könnte den Fragestellern natürlich meinen Ausweis zeigen (wobei da nur der Vorname auf das Geschlecht hindeutet; im Personalausweis gibt es ja, anders als im Reisepass, keinen Geschlechtseintrag), meine Geburtsurkunde (in der übrigens früher auch kein Geschlecht vermerkt war). Ich könnte im Prinzip auch, was ich freilich niemals tun würde, meine Brüste oder meine Vulva herzeigen. Wobei sich dann die Frage stellt, ob Ausweis und Geburtsurkunde, Brüste und Vulva genug wären, wenn mein eindeutig weiblicher Geschlechtsausdruck, also vor allem meine Kleidung, nicht ausreicht?